Historische Glocken mit modernster Technik wieder zum Klingen gebracht

Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Mittelsachsen unterstützen Vervollständigung des Biebersteiner Geläutes als Pilotprojekt

Freiberg, den 30.03.2017.

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muss die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.

Diese Zeilen aus Schillers Gedicht beschreiben treffend das Entstehen einer neuen Glocke. Dass es aber auch anders und ohne Lehm geht, haben die Mitglieder des Freiberger Hilliger e.V. bewiesen. Mit Partnern und gemeinsamer Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Mittelsachsen gelang ein gewagtes Unterfangen: nach einem neuen Verfahren wurden nun schon drei Glocken gegossen. Das Ergebnis des denkmalgerecht ergänzten Geläutes der Biebersteiner Kirche wurde heute vom Hilliger-Verein, den Glockensachverständigen aus Brandenburg, Arnold Rißler, aus Sachsen, Dr. Rainer Thümmel und Norbert Hesse, sowie aus Sachsen-Anhalt, Christoph Schulz, gemeinsam mit Patricia Werner von der Geschäftsführung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und Prof. Hans-Ferdinand Schramm, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mittelsachsen und deren Stiftung, begutachtet.

Die in der Biebersteiner Kirche vom ursprünglichen Dreiergeläut verbliebene Bronzeglocke wurde 1475 von Nicol Hilliger gegossen. Glocken der berühmten Glockengießer-Dynastie Hilliger hängen u. a. in der Dresdner Frauenkirche, im Freiberger Dom, der Leipziger Thomaskirche, aber auch in Graz, Wien und Paris. Die anderen beiden Glocken (eine aus dem 14. Jahrhundert sowie eine von Michael Weinhold 1710 gegossene Glocke) waren im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden. Die danach als Ersatz 1921 angeschafften Schilling-Glocken gingen im Zweiten Weltkrieg verloren und wurden durch Eisenhartguss-Glocken ersetzt.

Die Biebersteiner Glocken schweigen seit 2011. Das Geläut wurde 2015 abgenommen und die Glocke von Nicol Hilliger aus dem Jahre 1475 restauriert. Der Hilliger e.V. hatte sich die Aufgabe gestellt, basierend auf der Bestandsglocke II das Geläut denkmalsgerecht zu ergänzen. Dazu wurden Hilliger-Glocken von verschiedenen Kirchen messtechnisch erfasst und analysiert. Unter Zuhilfenahme des Klangexperten Arnold Rißler aus dem brandenburgischen Welzow entschied man sich für die mittlere Glocke der Kirche Neukirchen von Oswald Hilliger als Vorlage. Es galt, entsprechend den Klangvorgaben aus der Vorlage eine Glockenrippe für die Glocken I und III mit Hilfe von neuentwickelter Computertechnik zu konstruieren. Diese Aufgabe wurde durch das Mitglied des Hilliger e.V., Dr. Joachim Haupt, überzeugend gelöst, wie die am 21. März 2017 durchgeführte Klanganalyse ergab. Die durch ein digitales Modell vorgegebene Glocke setzte die Firma Direkt Form Projektgesellschaft mbH, gelegen im
Industriegebiet Freiberg Ost, in einem modernen Verfahren in eine Gussform um. Der Guss der kleinen Glocke (III) für Bieberstein erfolgte am 13. Januar und der großen Glocke (I) am 10. März 2017 im Sächsischen Metallwerk Freiberg GmbH, welches über jahrzehntelange Erfahrung im Messing-, Kupfer- und Bronzeguss verfügt.

Damit sind im Jahr 2017 nach über 300 Jahren wieder Glocken in Freiberg und nach über 80 Jahren wieder in Sachsen gegossen worden.

Am Ostermontag, dem 17. April, werden die Glocken nach Bieberstein eingeholt und feierlich geweiht. 

„Bewahren, Stärken, Begeistern.“ So könnte der Auftrag gelautet haben, mit dem die Ostdeutsche Sparkassenstiftung 1996 die kulturelle Bühne betrat: als Kulturstiftung und Gemeinschaftswerk aller Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Allein oder gemeinsam mit öffentlichen, vor allem ehrenamtlichen Kulturinitiativen setzt sie sich dafür ein, Maßstäbliches und Meisterhaftes in Stadt und Region, in Ost- und Mitteldeutschland sichtbar zu machen. Von Kunst und Musik über Literatur und Theater bis hin zur Kulturgeschichte und Denkmalpflege reicht dabei ihr Spektrum – Talenteförderung und kulturelle Bildung eingeschlossen.

Über 1.900 Projekte wurden zusammen mit den heute 45 OSV-Sparkassen gefördert, begleitet und selbst realisiert. Dafür standen rund 80 Millionen Euro aus den Vermögenserträgen, dem überörtlichen Zweckertrag des PS-Lotterie-Sparens sowie den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen und ihrer Verbundunternehmen zur Verfügung. Davon wurde allein im Freistaat Sachsen für 722 Projekte eine Gesamtsumme von mehr als 32 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Sparkassenorganisation unterstreicht damit ihre Rolle als größter nicht-staatlicher Kulturförderer in Deutschland.

Kontakt