Lebendiges Kulturdenkmal wird bis zum Jubiläum wiederhergestellt

Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien unterstützen Restaurierung des Herrnhuter Kirchensaals

Herrnhut, 20.12.2017. So kurz vor Weihnachten überraschten Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, und Regina Risy, Geschäftsführerin der Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, gemeinsam die Brüdergemeine in Herrnhut und Pfarrer Peter Vogt mit einer Förderzusage für die Restaurierung des Kirchensaals.

BildHerrnhuter Kirchensaal © Fotograf: Henning Kreitel

Im Blick auf das Stadtjubiläum „300 Jahre Herrnhut“ im Jahr 2022 strebt die Brüdergemeine Herrnhut die vollständige Restaurierung ihres historischen Kirchensaals an. Das Gesamtprojekt umfasst die Wiederherstellung des lnnensaals, der Orgel und der beiden Seitenflügel, einschließlich Heizung und technischer Anlagen. Die Kosten dafür betragen etwa 2,4 Mio. Euro, die durch Spendenwerbung und Fördermittel abgedeckt werden müssen. Allein 2017 hat die Brüdergemeine Herrnhut über verschiedene Programme fünf Fördermittelanträge im Umfang von mehr als 1 Mio. Euro gestellt.

Die beiden Sparkassenstiftungen fördern ganz konkret die Wiederherstellung der historischen Schwesternempore und der Lambris (umlaufende Holzverkleidung).

„Der Herrnhuter Kirchensaal ist von weltweiter Bedeutung. Die Rekonstruktion des Saals in seiner ursprünglichen Gestalt wird dazu beitragen, das besondere kulturhistorische Erbe Herrnhuts zur Geltung zu bringen und zugleich die Rolle Herrnhuts als Ort der Kultur und Begegnung im Dreiländereck zu stärken. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung unterstützt gemeinsam mit der Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien gerne die Brüdergemeinde auf diesem Weg“, sagte Friedrich-Wilhelm von Rauch.

„Wir sind sehr dankbar für diese Hilfe“, sagt Pfarrer Peter Vogt, „denn wir stehen noch ziemlich am Anfang unseres Projekts. Da ist die Unterstützung durch die Sparkassenstiftungen eine enorme Ermutigung.“

Der 1756/57 errichtete Betsaal ist das Kirchengebäude der Brüdergemeine Herrnhut und eine viel besuchte Sehenswürdigkeit im Ortszentrum. Er dient heute zugleich als Versammlungsraum und Aula für die Evangelischen Zinzendorfschulen Herrnhut und die Johann-Amos-Comenius-Förderschule der Herrnhuter Diakonie. Von Siegmund August von Gersdorff im Stil des sächsischen Landbarocks entworfen, ist der Saal Vorbild für Kirchen der Brüdergemeine weltweit – von Kanada bis Südafrika.

Der Herrnhuter Kirchensaal gilt als Denkmal von nationaler Bedeutung, nicht zuletzt durch die Tatsache, dass die dänische Brüdergemein-Siedlung Christiansfeld 2015 stellvertretend für das Herrnhuter Netzwerk als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt wurde. Am 27. April 2016 besuchte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck den Herrnhuter Kirchensaal und zeigte sich beeindruckt von der ungewöhnlichen Raumwirkung des hellen Saals, der die Gleichheit der Menschen vor Gott zum Ausdruck bringt: „Ich schätze die lebendige Tradition der Herrnhuter. Sie ist ein besonderer Schatz der deutschen und europäischen Geistesgeschichte, den es zu erhalten und weiterzuentwickeln gilt“, sagte Gauck damals.

Am 9. Mai 1945 wurde das Saalgebäude durch Brandstiftung zerstört. Der Wiederaufbau begann 1951 unter den schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in der DDR und kam 1957 zu einem vorläufigen Abschluss.

Die jetzt von der Brüdergemeine geplanten Baumaßnahmen zielen auf die Fertigstellung des Wiederaufbaus in vorhandener Kubatur bis zum Herrnhuter Stadtjubiläum 2022. Das Gesamtprojekt umfasst drei Bereiche: die Restaurierung des lnnensaals, die Innensanierung der Seitenflügel und die Instandsetzung und Modernisierung der Orgel. Damit verbindet sich das Ziel, nicht nur die ursprüngliche Herrnhuter Architektur wieder neu zur Geltung zu bringen, sondern auch eine multifunktionale Nutzung für Kirchgemeinde, Schulen, Diakonie und Tourismus zu ermöglichen.

„Der Herrnhuter Kirchensaal ist ein Kulturdenkmal von Rang, aber kein Museum. Tag für Tag kommen Menschen in den Saal und füllen das Gebäude mit Leben. Hier finden sie Raum für Besinnung und Gebet, Möglichkeiten für Bildung und Begegnung, Informationsangebote und musikalische Veranstaltungen. Die letzte Etappe der Saalsanierung bietet uns die Chance, diese vielfältige Nutzung des Gebäudes zu stärken und zu optimieren. Wir wünschen uns Räume, die etwas ausstrahlen von dem fröhlichen Glauben, der uns trägt“, sagte Pfrarrer Peter Vogt bei der Übergabe.

Zur Information
„Bewahren, Stärken, Begeistern.“ Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung fördert in diesem Sinne seit 1996 Kunst, Kultur und Denkmapflege. Die Stiftung ist ein Gemeinschaftswerk aller Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Über 1.900 Projekte wurden zusammen mit den heute 45 OSV-Sparkassen gefördert, begleitet und selbst realisiert. Dafür standen mehr als 85 Millionen Euro aus den Vermögenserträgen, dem überörtlichen Zweckertrag des PS-Lotterie-Sparens sowie den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen und ihrer Verbundunternehmen zur Verfügung.

Davon wurde allein im Freistaat Sachsen für 753 Projekte eine Gesamtsumme von rund 35 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Sparkassenorganisation ist der größte nicht-staatliche Kulturförderer in Deutschland.

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