Cottbus, 20. Juni 2012. Im Schloss Branitz übergaben heute Ralf Braun, Vorstandsmitglied der Sparkasse Spree-Neiße, und Patricia Werner, von der Geschäftsführung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, die Bewilligung für die Restaurierung von kostbaren Innenräumen. Mit großer Freude nahmen Frank Szymanski, Oberbürgermeister der Stadt Cottbus und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Park und Schloss Branitz, sowie Gert Streidt, Geschäftsführer dieser Stiftung, die Förderung entgegen. Damit können sich die Besucher ab 2016 die vier aufwendig wiederhergestellten Räume anschauen und in die Welt des Fürsten eintauchen.
„Der Branitzer Park mit seinem wundervollen Schloss ist eine einzigartige Schöpfung, die nicht nur für die Stadt Cottbus von unschätzbarem Wert, sondern auch über die Grenzen Deutschlands hinaus von geschichtlicher Bedeutung ist.“, begründet Ralf Braun die Förderung dieses großen Vorhabens. „Mit der Restaurierung dieser Räume kann die Wiederherstellung der Wohnung des Fürsten abgeschlossen und den Besuchern des Schlosses ein authentisches Bild der pücklerschen Lebenswelt vermittelt werden.“
„Fürst Pückler war ein rastloser Weltreisender, Schriftsteller und Landschaftsarchitekt. Ohne seine künstlerischen Visionen und seinen Gestaltungswillen wären Park und Schloss Branitz in der uns bekannten Form heute nicht denkbar. Über sein Werk wird das Leben seiner Zeit für uns heute vorstellbar. Auch im Hinblick auf das Branitzer Engagement, auf die UNESCO-Weltkulturerbeliste zu kommen, setzen sich Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Spree-Neiße sehr gern für das Projekt ein.“, so Patricia Werner.
Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871) war einer der größten europäischen Gartenkünstler, Dandy, Frauenheld, erfolgreicher Reiseschriftsteller, geistreicher Gesellschafter, Liebhaber auserlesener Speisen und Namensgeber für ein Speiseeis. In seinem Branitzer Schloss ist noch heute ein authentisches Bild von der Lebenswelt und Wohnkultur dieser Zeit zu erleben.
Lebenswelt des Fürsten Pückler für Besucher bald wieder erlebbar
Nach dem Verkauf seiner Besitztümer in Muskau siedelte Pückler 1845 nach Branitz über, wo er bis zu seinem Tod lebte. Von Pücklers Wohnstätte in Branitz blieben die Raumgestaltungen aus seiner Zeit weitgehend erhalten. Die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz engagiert sich in diesem Sinne dafür, die Schlossräume zu erhalten, zu restaurieren und auf lebendige Weise zu präsentieren. Wichtige Räume der Wohnung des Fürsten, wie die Bibliothek und das Billardzimmer sowie das Schlafzimmer und die Waschstube, wurden in den letzten Jahren bereits restauriert und neu ausgestattet.
Zu den kostbarsten Raumgestaltungen des Schlosses gehören die Salons und das Frühstückszimmer, die in den Jahren 2012 bis 2016 im Rahmen des Projekts „Die Wohnkultur des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau – Restaurierung und Ausstattung der Salons und des Frühstückszimmers im Schloss Branitz“ wiederhergestellt werden sollen. Die Gestaltung und Ausstattung dieser Räume geht im Wesentlichen auf den Potsdamer Baumeister und Hofbaurat, den Schinkel-Schüler Ferdinand von Arnim zurück, der von 1856 bis 1861 in Branitz tätig war. In enger Zusammenarbeit mit Fürst Pückler prägte von Arnim die Innenarchitektur des Schlosses, wie wir sie heute noch erleben. Das Frühstückszimmer und die drei farblich gegeneinander gesetzten Salons sind in ihrer Substanz und Raumstruktur erhalten. Komplett erneuert werden müssen die aufwändigen textilen Wandbespannungen aus Seidendamast, die den Räumen ihre besondere Note geben. Weiterhin steht u.a. die Restaurierung und teilweise Rekonstruktion der Fußböden und der Stuckaturen an Decken und Wänden sowie die Erneuerung der Farbfassungen nach historischen Befunden an.
Der Rote Salon diente Fürst Pückler als Empfangsraum für seine Gäste, die er gewöhnlich um 21 Uhr zum Diner eingeladen hatte. Ferdinand von Arnim entwarf den plastischen Schmuck für die Decke und riet Pückler davon ab, die Fonds der Wände zu streichen, da „dies leicht ordinär“ erscheinen könnte. Stattdessen empfahl von Arnim eine repräsentative Bespannung mit Atlastapete in weiß oder perlfarben mit Goldverzierungen, die im Zusammenklang mit dem Rot der Vorhänge und Stuhlbezüge dem Raum eine distinktive Würde verliehen.
Zeitgleich mit dem Roten Salon ist der auch der Blaue Salon in den Jahren 1856/1857 von Ferdinand von Arnim ausgestattet worden und bietet ebenso ein aufschlussreiches Beispiel für seinen Einfluss auf die Gestaltung der Innenräume im Schloss Branitz. Von Arnim bestimmte den Blauton der seidenen Bespannung der Wände und empfahl, das Silber der Einfassungsleisten aus Steinpappe glänzend dazu zu setzen und die Decke als Kontrast weiß zu belassen. Das besondere Ausstattungsstück bestand in einem Eckkamin aus weißem Marmor mit einem silbernen Spiegelaufsatz.
Im Schlafkabinett (Boudoir) zieht ein „bunter Eckkamin“ die Blicke auf sich, den von Arnim in Erinnerung an die Orientreise des Fürsten entworfen hatte. Die Ausführung übernahm die Berliner Tonwaren- und Ofenfabrik Tobias Christian Feilner, in der auch Schinkel viele seine Entwürfe umsetzen ließ. Der Raum wurde 1858 für den Besuch der Prinzessin Augusta (spätere Königin von Preußen und deutsche Kaiserin) als Schlafkabinett eingerichtet.
Für das Frühstückszimmer lieferte Ferdinand von Arnim u.a. die Entwürfe für die reichverzierte Decke. Zunächst plante Pückler die Einrichtung als „Wohnzimmer“. 1858 bis 1862 wurde der Raum dann jedoch als Frühstückssalon bei „vornehmen Besuch“ gestaltet, dessen Besonderheit der Farbklang aus einer violetten Seidenbespannung über einer schwarzen Boiserie bildete.
