Muschelsaal im neuen Glanz

Die Restaurierung des von Carl Gotthard Langhans in Rheinsberg geschaffenen Schlossraumes ist abgeschlossen

Rheinsberg, 31.03.2017. Dank der Unterstützung starker Partner konnte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) die Restaurierung des Muschelsaals im Schloss Rheinsberg abschließen. Ermöglicht wurde diese 2015 begonnene große Wiederherstellungsmaßnahme durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. Der Muschelsaal entstand 1769 im Auftrag des Prinzen Heinrich von Preußen (1726-1802). Es handelt sich um den einzig erhaltenen Innenraum aus der frühen Schaffensperiode des Architekten Carl Gotthard Langhans d. Ä. (1732-1808), dessen bekanntestes Werk das von 1789 bis 1791 errichtete Brandenburger Tor in Berlin ist.

Schloss Rheinsberg © Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, freut sich bei der Eröffnung über den restaurierten Muschelsaal, der auch dank Stiftung und Sparkasse restauriert werden konnte © Fotograf: Daniel Lindner, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Der ältere Spiegelsaal und der Muschelsaal sind die beiden großen Festsäle des Rheinsberger Schlosses. Beide Schlossräume haben für die Architektur- und Kunstgeschichte Brandenburg-Preußens im 18. Jahrhundert herausragende Bedeutung. Steht der von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) entworfene Spiegelsaal am Anfang des friderizianischen Rokoko, wird der Muschelsaal zu den frühen Zeugnissen des beginnenden Klassizismus unmittelbar im Umfeld des Berlin-Potsdamer Raumes gerechnet. Insofern steht auch dieser Schlossraum für den innovativen Charakter des Rheinsberger Schlosses, das mit seinen beiden Bauherren –  Kronprinz Friedrich und Prinz Heinrich eine Plattform für junge Künstler bot, die wenig später ihre künstlerische Meisterschaft in den Metropolen zeigen konnten. Auf Wunsch des Prinzen Heinrich wurde Carl Gotthard Langhans d. Ä. im Herbst 1766 von Breslau nach Rheinsberg beordert. 25 Jahre vor der Errichtung des Brandenburger Tores konnte hier der noch wenig bekannte Baumeister zahlreiche Entwürfe für Umbauarbeiten am Schloss, im Garten und auch in der Stadt fertigen. Nach dem leider heute nicht mehr erhaltenen Raumentwurf wurde der neue Festsaal anstelle der ursprünglichen vier Wohnkabinette der Kronprinzessin Elisabeth Christine in der südöstlichen Ecke des Klingenbergflügels und des Corps de Logis 1769 durch den Bauintendanten Carl Wilhelm Hennert (1739-1800) errichtet. Die Zeitgenossen schätzten den neuen Schlossraum wegen seines „neuen und sehr anmuthigen Geschmacks“. Ist die Deckengestaltung noch deutlich Rokokoformen verpflichtet, wird an den Wänden ein neuer Dekorationsstil manifest. Für Langhans selbst wurde dieser Raum zur Zäsur in seinem weiteren künstlerischen Schaffen.

Allerdings wurde die ursprüngliche Raumkomposition im Laufe der Zeit verändert. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entnahm man den zur Ausstattung gehörenden Fayence-Ofen für das Hohenzollernmuseum in Berlin. Wenig später wurde der heute noch existierende Neorokoko-Ofen aufgestellt. Vermutlich auch schon im 19. Jahrhundert gingen Randbereiche der bauzeitlichen Deckendekorationen durch eine Schwammsanierung verloren.

Vor allem aber wurde der Raum durch die nach 1945 einsetzende Nutzung des Schlosses als Sanatorium in Mitleidenschaft gezogen. Vier Konsoltische wurden bis auf wenige Fragmente zerstört. Die Spiegelrahmen über den Konsoltischen gingen verloren, die Spiegelglasflächen wurden zugeputzt und überstrichen. Das Originalparkett wurde in den 1960er Jahren durch ein modernes Tafelparkett ersetzt. Besonders die Nutzung des Muschelsaals als Speisesaal führte zwischen 1950 und 1990 zu erheblichen Schäden an den zweifarbig angelegten Stuckmarmorwänden durch Einstemmen eines Lautsprechers, die Verlegung von Heizungsrohren und mechanische Schäden in Höhe der Servierwagen.

Bis zur Ausstellung anlässlich des 200. Todestages des Prinzen Heinrich im Jahre 2002 konnten die auffälligsten Eingriffe kaschiert werden. Wichtig war die Restaurierung und Rekonstruktion der vier Konsoltische dank Spendenmitteln 1994. Die Tische zählen zu en authentischen Zeugnissen der ursprünglichen reichen Ausstattung an Möbeln. Ergänzend dazu wurden die Putzflächen über den Konsoltischen wieder geöffnet und provisorisch verspiegelt. Im Zuge des Austauschs des Heizungssystems 1994/1995 erfolgte der Rückbau der großen Heizkörper an den Stuckmarmorwänden. Alle Fehlstellen im Bereich des Stuckmarmors wurden jedoch nur provisorisch mit Kalkputz und einer Farbfassung geschlossen.

Die Wiederherstellungsmaßnahmen

Ziel des Restaurierungsprojekts war die weitgehende Wiederherstellung der ursprünglichen Raumgestaltung. Die bauzeitliche Farbigkeit an Decke und Türen wurde freigelegt und restauriert, der Bronzeanstrich entfernt, die darunter liegende, ursprüngliche Polimentvergoldung restauriert bzw. ergänzt. Zudem erfolgten die Konservierung und Ergänzung des äußerst fragilen Deckenstucks sowie die Reinigung und Ergänzung der Muscheln, Schnecken und Korallen. Wesentlich für den harmonischen Gesamteindruck war die Ergänzung und Restaurierung der Stuckmarmorwände.

In Fortsetzung der Restaurierung der Konsoltische konnte nun auch die Rekonstruktion der Spiegelrahmen verwirklicht werden. An den damals neuartigen Dekorationselementen mit den rechteckigen und ovalen Füllungen auf den Wandflächen mit ihren Puttenreliefs und mit Girlandenumrahmungen mussten umfangreiche Konservierungsarbeiten durchgeführt werden. Wie in den anderen Paraderäumen des Prinzen Heinrich wurde auch hier zum Abschluss der Raumrestaurierung das bauzeitliche Tafelparkett bis Februar 2017 rekonstruiert.

Kurz vor Beginn der Restaurierung wurden 2014 umfangreiche statische Ertüchtigungen der Decke zum Erdgeschoss durchgeführt, da hier während des Umbaus 1769 Eingriffe in die Deckenkonstruktion erfolgt waren. Die statische Sicherung der Raumdecke im Dachgeschoss ist bereits im Zuge der Dachinstandsetzung 2006 erfolgt.

Ausstellung „Muschelsaal im neuen Glanz – Eine Tafel für den Prinzen mit einem keramischen Tableau von Karl Fulle“

Zum Abschluss der Restaurierung des Muschelsaals und des kronprinzlichen Treppenhauses zeigt die SPSG die Ausstellung „Muschelsaal im neuen Glanz – Eine Tafel für den Prinzen mit einem keramischen Tableau von Karl Fulle“. Die Arbeiten des in Rheinsberg ansässigen Keramik-Künstlers Karl Fulle finden sich im Muschelsaal zu einer Festtafel der anderen Art zusammen und erinnern so an die ursprüngliche Funktion des Raumes als Ort fürstlicher Bankette.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober 2017 im Rahmen der regulären Öffnungszeiten zu sehen.

„Bewahren, Stärken, Begeistern.“ So könnte der Auftrag gelautet haben, mit dem die Ostdeutsche Sparkassenstiftung 1996 die kulturelle Bühne betrat: als Kulturstiftung und Gemeinschaftswerk aller Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Allein oder gemeinsam mit öffentlichen, vor allem ehrenamtlichen Kulturinitiativen setzt sie sich dafür ein, Maßstäbliches und Meisterhaftes in Stadt und Region, in Ost- und Mitteldeutschland sichtbar zu machen. Von Kunst und Musik über Literatur und Theater bis hin zur Kulturgeschichte und Denkmalpflege reicht dabei ihr Spektrum - Talenteförderung und kulturelle Bildung eingeschlossen.

Über 1.900 Projekte wurden zusammen mit den heute 45 OSV-Sparkassen gefördert, begleitet und selbst realisiert. Dafür standen rund 80 Millionen Euro aus den Vermögenserträgen, dem überörtlichen Zweckertrag des PS-Lotterie-Sparens sowie den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen und ihrer Verbundunternehmen zur Verfügung. Davon wurde allein im Land Brandenburg für 488 Projekte eine Gesamtsumme von mehr als 17 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Sparkassenorganisation unterstreicht damit ihre Rolle als größter nicht-staatlicher Kulturförderer in Deutschland.

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