Neuzeller Passionsdarstellungen und „750 Jahre Kloster Neuzelle“

Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Sparkasse Oder-Spree besuchen Restaurierungswerkstatt und fördern Jubiläum

Neuzelle und Wünsdorf, 04.12.2017. Ein Tag mit gleich zwei besonderen Ereignissen für die Stiftung Stift Neuzelle mit seinem berühmten Kloster. Einerseits lud das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum zum Besuch in die Restaurierungswerkstatt in Wünsdorf ein. Dort wird seit 2015 eine weitere Szene der Neuzeller Passionsdarstellungen restauriert. Die neu restaurierte Szene „Jesus vor Kaiphas“ soll im Oktober 2018 im Museum Himmlisches Theater in Neuzelle gezeigt werden.

BildWeitere Szene der Neuzeller Passionsdarstellungen wird restauriert (v.l.n.r.): Norbert Kannowksy, Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle, Veit Kalinke, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oder-Spree, Patricia Werner von der Geschäftsführung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Mechthild Noll-Minor, Restauratorin des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, und Landeskonservator Dr. Thomas Drachenberg betrachten die neu restaurierte Szene ''Jesus vor Kaiphas''. Fotograf: Holger Swazinna, Sparkasse Oder-Spree

Andererseits nutzte Patricia Werner von der Geschäftsführung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Oder-Spree, Veit Kalinke, die Gelegenheit, um dem Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle, Norbert Kannowksy, einen weitere Förderzusage zu übergeben. Damit wird die Erstellung eines Bildbandes unterstützt, der aus Anlass des 750-jährigen Jubiläums des Klosters Neuzelle im Jahr 2018 erscheinen wird.

Die Restaurierung der Passionsdarstellungen wird durch die Förderung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Oder-Spree, der Kulturstiftung der Länder, des Landes Brandenburg sowie der Stiftung Stift Neuzelle möglich. Gegen Ende des Restaurierungsprojektes ließen sich die Besucher der Restaurierungswerkstatt von den Restauratorinnen des Brandenburgischen Landesamtes und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM) in Wünsdorf die konkreten Arbeitsschritte und Maßnahmen an den Objekten erläutern.

„Wir sind froh, dass es uns durch das Zusammenwirken unserer Fördereinrichtungen gelungen ist, die dritte Szene der Neuzeller Passionsdarstellungen zu restaurieren und nachher in Neuzelle präsentieren zu können“, brachte Patricia Werner im Rahmen der Besichtigung der Objekte zum Ausdruck. „Der von Stiftung und Sparkasse unterstützte Bildband für das Jubiläumsjahr 2018 rundet unser Engagement nicht nur mit Blick auf die Förderung der Passionsdarstellungen, sondern auch auf die in den zurückliegenden Jahren der Stiftung Stift Neuzelle zuteil gewordenen Unterstützungen ab“, ergänzte der Sparkassenvorstand Veit Kalinke.

Landeskonservator Dr. Thomas Drachenberg dankte allen Partnern und vor allem den amts- und freiberuflichen Restauratorinnen für ihre bisherige Arbeit. Es sei eine großartige Leistung unter Vollschutz diese filigrane Konservierung und Restaurierung zu meistern. Das Museum in Neuzelle wird damit um eine Attraktion reicher.

Es ist geplant, die restaurierte Szene Jesus vor Kaiphas ab Oktober 2018 in Neuzelle gegen die Szene Kreuztragung auszutauschen. Das Museum Himmlisches Theater wird jährlich von rund 25.000 Gästen besucht und zählt zu den wichtigsten touristischen Anziehungspunkten in Ostbrandenburg.

Seit dem 16. Jahrhundert wurden in der Karwoche und zur Osterliturgie vor allem in Süddeutschland und im Alpenraum Altar- und Theaterarchitekturen in Kirchen aufgestellt, die den Leidensweg, die Grablegung und die Auferstehung Jesu Christi illustrieren sollten. Diese Heiligen Gräber oder Ostergräber wurden nicht für Passionsspiele genutzt, sondern dienten ausschließlich der Verinnerlichung, der Betrachtung und dem Gebet.

Die um 1750 vom böhmischen Maler Joseph Felix Seyfried geschaffenen Neuzeller Passions-darstellungen vom Heiligen Grab gelten nach Größe, Umfang und künstlerischer Qualität als einmalig in Europa und zählen zu den wertvollsten Kunstwerken im Kloster Neuzelle. Von ehe-mals 240 großformatigen Leinwand- und Bildtafeln sind heute noch 229 Einzelteile vorhanden, die eine Aufstellung von 15 Szenen in fünf Bühnenbildern ermöglichen. Im 18. und 19. Jahr-hundert wurde das monumentale Barocktheater in der Karwoche in Neuzelle aufgebaut und trug deshalb auch den Namen Ostergrab. 33 großformatige Figuren, Figurengruppen und Kulissenteile befinden sich derzeit zur Restaurierung in der Amtswerkstatt des BLDAM in Wünsdorf.

Die vierte Szene des Zyklus zeigt das Verhör von Jesus vor dem Hohepriester Kaiphas. Jesus bekennt sich dazu, der Sohn Gottes zu sein und wird von Kaiphas wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt. In der Szene sieht man Jesus in der Mitte mit verbundenen Augen und in Ketten gelegt. Kaiphas zerreißt seine Kleider und ein biblischer Kommentar spielt darauf an: „Zerreißet Eire Herzen und nicht Eure Kleider und bekehret Euch zu dem Herrn, Eurem Gott“ (Joel, Kap. 2, V. 13). Die Szene spielt im Bühnenbild Palast, in dem römische Soldaten, das jüdische Volk sowie Philister und Schriftgelehrte die Szene kommentieren. Nach Abschluss dieses Projektes werden insgesamt drei von fünf Bühnenbildern sowie drei von 15 Szenen (Judaskuss, Jesus vor Kaiphas, Kreuztragung) konserviert sein. Das ist fast der halbe Bestand der erhaltenen Bildtafeln und Leinwandkulissen.

„Bewahren, Stärken, Begeistern.“ Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung fördert in diesem Sinne seit 1996 Kunst, Kultur und Denkmapflege. Die Stiftung ist ein Gemeinschaftswerk aller Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Über 1.900 Projekte wurden zusammen mit den heute 45 OSV-Sparkassen gefördert, begleitet und selbst realisiert. Dafür standen rund 80 Millionen Euro aus den Vermögenserträgen, dem überörtlichen Zweckertrag des PS-Lotterie-Sparens sowie den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen und ihrer Verbundunternehmen zur Verfügung.

Davon wurde allein im Land Brandenburg für 498 Projekte eine Gesamtsumme von rund 18 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Sparkassenorganisation ist der größte nicht-staatliche Kulturförderer in Deutschland.