Unteres Fürstenquartier im neuen Glanz

Restaurierung ermöglicht durch deutsch-amerikanische Kooperation von Ostdeutscher Sparkassenstiftung und World Monuments Fund

Potsdam, 18.01.2012. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) konnte ab 2007 Dank einer amerikanisch-deutschen Zusammenarbeit die Restaurierung des Unteren Fürstenquartiers im Neuen Palais von Sanssouci vornehmen. Ermöglicht wurde die Restaurierung dieser besonders prunkvollen Gästewohnung durch die Unterstützung der Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgische Sparkasse in Kooperation mit der US-amerikanischen Partnerorganisation World Monuments Fund (WMF), New York.

Der WMF griff hierfür auf sein Wilson Challenge-Programm (Robert W. Wilson Challenge to Conserve Our Heritage) zurück. Zwischen der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und dem WMF besteht eine Partnerschaftsvereinbarung, die Restaurierungsmaßnahmen an besonders ausgewählten Denkmälern von internationaler Bedeutung in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt ermöglicht.

„Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam gelungen ist, dieses Juwel aus friderizianischer Zeit zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ganz sicher wird das Untere Fürstenquartier eine der Hauptattraktionen unserer Ausstellung „FRIEDERISIKO – Friedrich der Große“ sein“, so Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor SPSG.

Bertrand du Vignaud, Präsident des World Monuments Fund Europe (Paris), betonte: „Ich bin sehr erfreut, dass wir heute ein neues Projekt in Deutschland feierlich präsentieren und dass dies zusammenfällt mit dem Beginn des Gedenkjahres für Friedrich den Großen in Potsdam und Berlin. Die WMF Partnerschaft mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung hat sich ein weiteres Mal bewährt und nach herausragenden Restaurierungen in Ziesar und Torgau als äußerst erfolgreich erwiesen. Die Wiederherstellung des Unteren Fürstenquartiers, umgesetzt in den letzten Jahren unter der exzellenten Leitung der SPSG, ermöglicht der Öffentlichkeit die erlesenen Gästeapartments wieder zu entdecken. Ich hoffe, dass die Besucher es genauso genießen werden wie ich.“

„Der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse ist es ein besonderes Anliegen, herausragende kulturelle Kostbarkeiten zu erhalten, für künftige Generationen zu sichern und den Menschen vor Ort wie den Touristen nahe zu bringen. Darum zählen das Untere Fürstenquartier und seine Restaurierung zu unseren Highlights 2012. Die Gemeinschaftsaktion von Ostdeutscher Sparkassenstiftung und der Mittelbrandenburgischer Sparkasse mit unserer Partnerorganisation WMF unterstreicht Güte und internationalen Rang des jetzt abgeschlossenen Projektes“, so Claus Friedrich Holtmann, Vorsitzender des Vorstandes der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes.

Ernst Dienst, Vorstandsmitglied der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, sagte:
"Potsdam lebt maßgeblich von der prägenden Kraft und dem Kultursinn Friedrich des Großen. Umso mehr werden anlässlich des 300. Geburtstages Menschen in unserer Stadt nach Friedrich II. fragen. An diesem für die brandenburgische und deutsche Geschichte so wichtigen Ort ist es uns als Mittelbrandenburgische Sparkasse besonders wichtig, dieses Anliegen aufzugreifen und zu unterstützen."

Die geförderten Restaurierungsarbeiten im Neuen Palais können jetzt rechtzeitig zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen abgeschlossen werden. Die restaurierten Räume werden als Teil der Ausstellung „FRIEDERISIKO – Friedrich der Große“ der SPSG erstmals ab dem 28.4.2012 für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Das Neue Palais ist der größte Schlossbau in der Region. Mit seiner erhaltenen originalen Substanz und Ausstattung zählt es zu den kultur- und zivilisationsgeschichtlich wertvollsten Schlossanlagen der Welt. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges von 1763 bis 1769 errichtet, steht das Schloss für den politisch erfolgreichen Preußenkönig, der mit dieser „Fanfaronnade“ Preußens Rolle als Großmacht verdeutlichte. Konzipiert war das Neue Palais als Sommerresidenz, die Friedrich mit Appartements für Verwandte und Gäste sowie einer Wohnung für sich selbst ausstattete.
Die Raumfolge des Untere Fürstenquartiers besteht aus dem Tressenzimmer, dem Konzertzimmer, dem Ovalen Kabinett und einem Vorzimmer.

Unteres Fürstenquartier im Neuen Palais von Sanssouci
SPSG und Förderer im Tressenzimmer
Tressenzimmer
Ovales Kabinett
Konzertzimmer

Tressenzimmer

Tressenzimmer erhielten ihren Namen von den Seidentapeten mit aufgenähten Goldtressen  und Crepinen.  Auch in anderen  Schlössern Friedrichs II. gab es in dieser Art gestaltete Räume. Das zum Unteren Fürstenquartier gehörende Tressenzimmer ist das einzige original erhaltene in den preußischen Schlössern. Originale Textilien aus dem 18. Jahrhundert sind etwas ganz besonderes. Im Neuen Palais hat sich außer dieser Seidentapete nur noch eine weitere originale Wandbespannung im Lesekabinett Friedrich II. bis heute erhalten, alle anderen Wandbespannungen sind Kopien aus jüngerer Zeit.
Der Seidendamast ist mit den Buchstaben „FBF  A  BERLIN“ signiert und damit eindeutig Berliner Herkunft und der hugenottischen Seidenmanufaktur  Baudouin zuzuschreiben.  Sein Muster gilt als eigenständiger Berliner Entwurf. Der Erhaltungszustand der Seidenbespannung konnte in Anbetracht ihres Alters von fast 250 Jahren als erstaunlich gut bezeichnet werden. Dennoch war das Gewebe nunmehr dünn und fragil, es hat Risse und an Schadstellen bereits aufgesetzte neue Damaststücke. Ursache der Schädigung sind vor allem die Lichteinwirkung aber auch die mechanische Beanspruchung in Greifhöhe der Besucher und der starke Holzwurmbefall der dahinterliegenden Holzbretter.
Die Tressen in verschiedenen Breiten und Mustern bestehen aus vergoldetem Silber und Seide. Die Crepinen (Posamentierarbeiten) wurden aus unterschiedlichen Materialien, wie  vergoldetem Silber, Eisen, Messing, Kupfer, Zinn, Seide, Pergament, Pappe, Baumwolle, und Goldbronze hergestellt. Die Einzelelemente stellen Blüten und Blätter, Herzen, Schleifen, Stengel mit Knospen, Knöpfe und Lahnquadrate dar. Die Unterlegungen bestehen aus Pappe, Pergament und die Elemente, die mit roter Folie auf der Schauseite bedeckt sind, sind mit einem Gewebe (Kattun) unterlegt. Die Umwicklungen des Pergaments, der Stengel und weiterer Wickelfäden besteht aus Seide.

Konzertzimmer 

Das Konzertzimmer musste aufgrund eines Schwammschadens bereits 1983 gesperrt werden. 1986 begannen hier die aufwändigen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen, die ab 1989 aufgrund anderer Prioritäten zurückgefahren wurden. Die Ausstattung im Konzertzimmer besteht aus fünf Wandgemälden, einem Konsoltisch und zwei nicht originalen Sitzmöbeln.

Ovales Kabinett 

Das Ovale Kabinett ist ein Lackkabinett mit Malereien von Sebastian Chevalier, die eine komplizierte Restaurierung erforderten.  Die unter Anstrichen, Lackierungen und Retuschen liegenden originalen Farbschichten bedurften dringend der Festigung. Die Befundungen von 1987 hatten die Freilegung der Originalfassung zur Folge. Durch neue Untersuchungsmethoden  wurde jedoch zu Beginn der 1990er Jahre entdeckt, dass der mitentfernte Firniss ein alkohollöslicher Öl-Harz-Lack ist, wie er auch in Friedrichs Zeiten schon hergestellt werden konnte.

Vorzimmer

Eine technische Besonderheit der Fassung dieses kleinen Nebenraumes war seine Ausmalung mit der Mordentvergoldung. Die jetzige, weniger plastische Ausmalung ist der dritten Fassung zuzuordnen, während die Fondflächen erst 1955 nach einem Kellerbrand erneuert wurden. Zum Schutz des originalen Restbestandes unter den Fassungen soll lediglich die Sichtfassung konserviert werden.

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