Sehen mit geschlossenen Augen

Stiftung und Saalesparkasse fördern Ausstellung zu Alexej von Jawlensky und Georges Rouault im Kunstmuseum Stiftung Moritzburg

Halle (Saale), 17.03.2017. Ab Sonntag, 19. März 2017, präsentiert das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) unter dem Titel "Sehen mit geschlossenen Augen" weltweit zum ersten Mal in einer gemeinsamen Ausstellung die OEuvres zweier bedeutender Expressionisten: des in Deutschland und der Schweiz wirkenden gebürtigen Russen Alexej von Jawlensky (1864–1941) und des Franzosen Georges Rouault (1871–1958). Der Fokus der Ausstellung ist auf die Figurenbilder beider Künstler gerichtet, bei denen auffallende Parallelen zu beobachten sind und die in beider Schaffen unabhängig voneinander eine zentrale Rolle spielen und in serieller Weise bearbeitet wurden. Die nachdrückliche Befragung des Menschenbildes führte beide Künstler im Formalen zur strukturellen Verdichtung und an die Grenze zur Abstraktion, im Inhaltlichen zu einer Verinnerlichung und Vergeistigung. So fanden Jawlensky und Rouault nicht nur eine jeweils eigene bildnerische Ausdrucksweise, sondern auch eine berührende Verbindung von aktueller Kunst und religiösem Empfinden.

Alexej von Jawlensky: Prinzessin Turandot, 1912, Öl auf Leinwand, 60 x 54 cm, Zentrum Paul Klee, Bern, Leihgabe aus Privat, Foto: Foto-Studio Endrik Lerch
Alexej von Jawlensky: Heilandsgesicht: Ruhendes Licht, 1921, Öl auf leinenstrukturiertem Malpapier auf Karton, 36 x 27 cm, Museum Wiesbaden, Foto: Museum Wiesbaden
Georges Rouault: Le Saint Suaire, 1939/45, Öl, Tusche und Gouache auf Papier, 43,4 x 32 cm, Centre Pompidou, Paris, Musée national d'art moderne / Centre de création industrielle / Schenkung Mme. Rouault und ihre Kinder, 1963, Foto: bpk / CNAC-MNAM / Philippe Migeat, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Georges Rouault: Polichinelle, 1910, Öl, Tusche, Gouache auf Papier auf Leinwand, 71 x 56 cm, Paris, Centre Pompidou, Paris, Musée national d'art moderne / Centre de création industrielle / Schenkung Mme. Rouault und ihre Kinder, 1959, Foto: bpk / RMN - Grand Palais / Philippe Migeat, ©VG-Bildkunst, Bonn 2016

Die Ausstellung wird kuratiert vom Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale), Thomas Bauer-Friedrich, gemeinsam mit der schweizerischen Kunsthistorikerin, Dr. Angelika Affentranger-Kirchrath. Thomas Bauer-Friedrich hebt das Außergewöhnliche der Schau noch einmal hervor: „Mit diesem Ausstellungsprojekt knüpfen wir einmal mehr an die glanzvolle Geschichte des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) an, das vor 1933 zu den führenden deutschen Museen für die Kunst der Moderne gehörte. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb der damalige Museumsdirektor zehn Meditationen von Alexej von Jawlensky, die Ausgangspunkt aus unserer Sammlung für die Ausstellung waren. Dank der hochkarätigen Leihgaben zahlreicher renommierter europäischer Sammlungen können wir im Reformationsjahr 2017 eine einzigartige Schau präsentieren, die sich der Fokussierung religiöser Inhalte mit den Mitteln der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts widmet. Ich danke allen Leihgebern und Partnern, die dieses Projekt möglich gemacht haben."

„Das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt nimmt als Haus der klassischen Moderne und vor allem mit seinen Werken des deutschen Expressionismus und Konstruktivismus eine besondere Position in der ost- und mitteldeutschen Museumslandschaft ein. Gemeinsam mit der Saalesparkasse begleiten wir das Museum schon seit Jahren als Partner und Förderer bei Ankäufen und herausragenden Ausstellungsvorhaben und freuen uns über die sehr positive Entwicklung der vergangenen Jahre. Auf das letztjährige Highlight ,Magie des Augenblicks’, das viele zehntausend Besucher nach Halle an der Saale lockte, folgt 2017 eine spannende Verbindung von zwei so unterschiedlichen Künstlern wie Alexej von Jawlensky und Georges Rouault. Das wird auch international für Aufmerksamkeit und Anerkennung sorgen“, sagte Patricia Werner von der Geschäftsführung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung bei der Pressekonferenz zur Eröffnung.

Die Ausstellung vereint 119 Werke aus 40 öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, darunter teils erstmals gezeigte Arbeiten und selten verliehene Gemälde u. a. aus dem Centre Georges Pompidou, Paris, dem Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, dem Musée des Beaux-Arts de Lyon, dem Kunstmuseum Bern, der Stiftung Im Obersteg im Kunstmuseum Basel, dem Kunsthaus Zürich, den Vatikanischen Museen, dem Museum Wiesbaden, den Staatliche Museen zu Berlin, den Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, dem Museum Folkwang, Essen, der Hamburger Kunsthalle, der Städtische Galerie im Lenbachhaus in München und der Staatsgalerie Stuttgart. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Botschafters der Französischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland, S. E. Philippe Etienne, und findet mit Unterstützung des Centre Georges Pompidou, Musée National d’Art Moderne, Paris, sowie unter Mitwirkung der Fondation Georges Rouault, Paris, und der Alexej von Jawlensky Archivio S. A., Locarno, statt.

Nach den umfangreichen Ehrungen Alexej von Jawlenskys in Deutschland anlässlich seines 150. Geburtstages im Jahr 2014 zeigt Sehen mit geschlossenen Augen Jawlenskys Arbeiten gemeinsam mit dem Werk Georges Rouaults, dessen Werk erstmals seit 1983 wieder in einer umfangreichen Präsentation in Deutschland zu sehen ist. Die Gegenüberstellung beider Künstler bietet die einmalige Gelegenheit, das Werk zweier exzeptioneller Expressionisten kennenzulernen, die sich religiösen Fragen mit den Mitteln der modernen Kunst widmen.

„Bewahren, Stärken, Begeistern.“ So könnte der Auftrag gelautet haben, mit dem die Ostdeutsche Sparkassenstiftung 1996 die kulturelle Bühne betrat: als Kulturstiftung und Gemeinschaftswerk aller Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

Allein oder gemeinsam mit öffentlichen, vor allem ehrenamtlichen Kulturinitiativen setzt sie sich dafür ein, Maßstäbliches und Meisterhaftes in Stadt und Region, in Ost- und Mitteldeutschland sichtbar zu machen. Von Kunst und Musik über Literatur und Theater bis hin zur Kulturgeschichte und Denkmalpflege reicht dabei ihr Spektrum - Talenteförderung und kulturelle Bildung eingeschlossen.

Über 1.900 Projekte wurden zusammen mit den heute 45 OSV-Sparkassen gefördert, begleitet und selbst realisiert. Dafür standen rund 80 Millionen Euro aus den Vermögenserträgen, dem überörtlichen Zweckertrag des PS-Lotterie-Sparens sowie den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen und ihrer Verbundunternehmen zur Verfügung.

Davon wurde allein im Land Sachsen-Anhalt für 419 Projekte eine Gesamtsumme von über 18 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Sparkassenorganisation unterstreicht damit ihre Rolle als größter nicht-staatlicher Kulturförderer in Deutschland. 

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