Wichtiges Werk von Erich Heckel für Dresden gesichert

Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Ostsächsische Sparkasse Dresden unterstützten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beim Erwerb

Dresden, 03.11.2017. Das Albertinum ist um ein Hauptwerk von Erich Heckel (1883 – 1970), einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus und Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“ in Dresden, reicher. Seit acht Jahren, 2009, war das Gemälde „Atelierszene“ (1910/11) als Leihgabe zu sehen. Nun konnte es für Dresden gesichert werden. Die Erwerbung des Gemäldes verdankt sich dem engagierten Zusammenwirken vieler Förderer: der Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, sowie des Freistaates Sachsen.

BildGlücklicher Erwerb des Gemäldes ''Atelierszene''/''Steine'' (Rückseite) von Erich Heckel (v.l.): Prof. Dr. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden; Dr. Kathrin Hahne, Ministerialdirigentin bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien; Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung; Dr. Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder; Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung; Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums; © SKD, Foto: Oliver Killig

Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sagte: „In der Atelierszene finden stilistische und inhaltlich-thematische Topoi des deutschen Expressionismus ihre Zuspitzung. Die Wechselwirkungen von europäischer und außereuropäischer Kunst, die man auch an diesem Bild studieren kann, zu reflektieren, sind für unsere Arbeit heute von großem Interesse. Herzlich möchte ich dem Freistaat Sachsen wie auch den langjährigen Partnern und Unterstützern danken, die mit großem Einsatz ein stetes Wachsen der in Dresden so wichtigen Sammlung der Brücke Künstler ermöglichen und das Albertinum zu einem wichtigen Anziehungspunkt für Besucherinnen und Besucher und Fachleute aus aller Welt machen.“ 

Die Erwerbung ist von besonderer Bedeutung für das Albertinum, weil bislang kein so stilistisch prägnantes Gemälde eines Mitglieds der „Brücke“, das die radikal vereinfachte, expressionistische Formensprache der Künstlergruppe aus der Zeit von 1910 bis 1911 zeigt, zum Bestand gehörte. Von der Hand Heckels existieren zudem nur wenige Gemälde, in welchen die vom Holzschnitt inspirierte Linienbetonung und die Flächigkeit der Figuren in einer so formalen Konsequenz ausgeführt sind. Mit der „Atelierszene“ ist zugleich ein bemerkenswertes Stillleben aus einer späteren Werkphase von Heckel „Steine“ (1939) im Doppelpack erworben worden – es befindet sich auf der Rückseite. Im Jahr 1939 hatte der Künstler die Figurenszene verworfen, mit weißer Farbe überstrichen und umgedreht. Auf die so gewonnene Leinwand malte er das nahsichtig beobachtete Strandstilleben „Steine“.

Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutsche Sparkassenstiftung, sagte: „Der in Döbeln und Chemnitz aufgewachsene Brücke-Gründer Erich Heckel zählt zu den großen Künstlerpersönlichkeiten aus Sachsen. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung hat sich deshalb gern gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und zusammen mit befreundeten Stiftungen auch für den Erwerb der ´Atelierszene` engagiert. Seit den 1990iger Jahren unterstützen Stiftung und Sparkasse die SKD bei Gemäldeankäufen, Ausstellungen und Projekten der kulturellen Bildung, seit 2006 ist die Sparkassen-Finanzgruppe fester Hauptförderer der Staatlichen Kunstsammlungen.“

Die Beurteilung von Gemälden ändert sich; was Heckel selbst 1939 weniger wichtig war, war später wieder von großer Bedeutung. Nach dem Tod des Künstlers gelangte das Gemälde aus dem Nachlass des Künstlers als Leihgabe zum Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig. Dort wurde die bis dahin verborgene „Atelierszene“ 1985/86 freilegt. So wurde die Leinwand mit dem querformatigen Stillleben gewendet und die hochformatige Atelierszene von da an erneut als die Vorderseite des Gemäldes präsentiert.

Mit der „Atelierszene“ gehört nun erstmals ein Bild zum Bestand des Albertinum, das jenen legendären Ort zeigt, an dem Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner ihre Modelle und Freundinnen malten: Kirchners Atelier in der Berliner Straße 80 in Dresden-Friedrichstadt, einem geradezu mythischen Ort der avantgardistischen Kunstproduktion jener Jahre. Das Atelier Kirchners war mit selbst gestalteten Gegenständen eingerichtet, deren Ornamente die jungen Künstler außereuropäischen Kunst- und Gebrauchsgegenständen nachempfanden. Deren Formensprache empfanden sie als inspirierend und studierten sie in der vor allem auch im kolonialen Kontext stark gewachsenen Sammlung des Museums für Völkerkunde in Dresden.

Ein konsequent flächiger „Kollektivstil“ der „Brücke“, so nannten es die Kritiker damals, brach entschieden mit akademischen Konventionen und war eine Neuheit. Von Eingeweihten wurden solche Gemälde begrüßt, von vielen damals aber mit Kopfschütteln und Verwunderung quittiert. Heute gehören Gemälde wie Erich Heckels „Atelierszene“ zum Kanon der internationalen Kunstgeschichte. Die Neuerwerbung vervollständigt die dauerhafte Sammlungspräsentation um ein Werk herausragender Qualität.

Hilke Wagner, Direktorin des Albertinum, sagte: „In Dresden, in der Sammlung des Albertinum, fehlte bislang ein Werk aus der Hoch-Zeit der Brücke um 1910. Die Qualität des Bildes und die inhaltlichen Bezüge, die an diesem Gemälde ablesbar sind, bereichern unsere Sammlungspräsentation wesentlich. Der Expressionismus-Saal ist ein Herzstück des Albertinum.“

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