Zweitausendmal Ja!

Ostdeutsche Sparkassenstiftung sichert geschichtsträchtige Zeichnung von Lyonel Feininger für Ribnitz-Damgarten

Berlin/Ribnitz-Damgarten, 25.04.2018. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung hat ihre 2.000 Zusage gegeben: Damit sichert sie eine geschichtsträchtige Zeichnung Lyonel Feiningers (1871-1956) für den Kunstverein Ribnitz-Damgarten e.V. und seine Galerie im Kloster Ribnitz.

Freudig übergeben (v.l.n.r.): Rolf Günther, Vorsitzender des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten, und Dr. Michael Ermrich; Fotograf: Uwe Tölle
Geschichtsträchtige Zeichnung von Lyonel Feininger für Ribnitz-Damgarten: Ostdeutsche Sparkassenstiftung sichert wichtiges Werk. Lyonel Feininger (1871-1956), Mühlenstraße, Ribnitz, 1905, Kohle auf Papier, 33 x 25 cm, signiert und datiert unten rechts: Ribnitz 19.VIII.1905 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Bei der öffentlichen Präsentation (v.l.n.r.): Rolf Günther, Gabi Raskop, Ralf Drescher, Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen, Ulrich Wolff, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Vorpommern und Mitglied des Landeskuratoriums Mecklenburg-Vorpommern, Manuel Krastel, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest und Vorsitzender des Landeskuratoriums Mecklenburg-Vorpommern, und Dr. Michael Ermrich © Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Die Galerie im Kloster Ribnitz lädt ein zu Kunstgenuss am Saaler Bodden. Fotograf: Uwe Tölle
Im anschluss an die 2000. Übergabe einer Förderzusage tagte das Landeskuratorium des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Dr. Michael Ermrich, Vorsitzender des Vorstands der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands, und Ulrich Wolff, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Vorpommern, stellten heute das Ankaufsprojekt in der Galerie in Anwesenheit von Rolf Günther, Vorsitzender des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten e.V., und der Galerieleiterin Gabi Raskop vor. Im Anschluss an die Präsentation trat das mecklenburg-vorpommersche Landeskuratorium der Ostdeutschen Sparkassenstiftung in der Ribnitzer Galerie zu seiner diesjährigen Frühjahrssitzung zusammen.

„Im Werk Lyonel Feiningers, der international zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zählt, nimmt Ribnitz eine Schlüsselstellung ein. Der Kunstverein Ribnitz-Damgarten macht dieses kostbare Kapitel Kunstgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns für Einheimische und Besucher mit Hingabe sichtbar. Der Verein besticht durch seine qualitätsorientierte Arbeit, seine Profilierung eines Kulturstandorts außerhalb der großen städtischen Zentren und sein beispielgebendes bürgerschaftliches Engagement. Unser 2.000. Projekt passt ausgezeichnet zur Handschrift der Ostdeutschen Sparkassenstiftung“, begründete Michael Ermrich die Jubiläumszusage für die Galerie. „Aussagestarke Zeugnisse der Kulturgeschichte zwischen Rügen und Erzgebirge zu bewahren, innovative Projekte zu ermöglichen und dafür vor allem auch junge Menschen zu begeistern: Darum geht es der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im engen Schulterschluss mit den 45 Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes“, so Ermrich weiter.

Feiningers Zeichnung „Mühlenstraße, Ribnitz“ von 1905 geht auf seinen ersten Ribnitz-Aufenthalt im selben Jahr zurück. Sie dokumentiert im Auf und Ab der Geschichte des 20. Jahrhunderts die lebenslange Freundschaft zwischen Lyonel Feininger und Alois Schardt (1889-1955), dem Vorkämpfer unter den deutschen Museumsdirektoren für die moderne Kunst nach dem Ende des Kaiserreichs. Ihr Erwerb bedeutet einen substantiellen Gewinn für das Feininger-Kabinett in der Galerie im Kloster.

Die Feininger-Zeichnung ist eine Dauerleihgabe der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Stiftung der Sparkasse Vorpommern an den Kunstverein Ribnitz-Damgarten e.V. Bereits seit 2011 befinden sich zwei weitere Zeichnungen von Feininger („Rostocker Tor“ und „Stadtsilhouette von Ribnitz“, beide ebenfalls 1905) als Dauerleihgaben der Ostdeutschen Sparkassenstiftung in der Klostergalerie.

Die 2.000 Förder- und Eigenprojekte der Ostdeutschen Sparkassenstiftung seit 1996 stehen für ein finanzielles Gesamtengagement von über 85 Mio. Euro (bei zusammen 4.753 Anträgen zu kulturellen Vorhaben).

Hintergrundinformation
Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung für die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, den Freistaat Sachsen und das Land Sachsen-Anhalt wurde 1996 errichtet und ist die gemeinsame Kulturstiftung des Ostdeutschen Sparkassenverbandes und seiner Mitgliedssparkassen. Ihre Stiftungsmittel setzen sich aus den Erträgen ihres Stiftungsvermögens, dem überörtlichen Zweckertrag des „PS-Lotterie-Sparens“ sowie den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen bzw. ihrer Verbundunternehmen zusammen.
Die 1000. Förderzusage der Stiftung galt 2006 der Restaurierung des Renaissancealtars in der Dorfkirche von Melzow/Uckermark, die 1500. im Jahr 2012 dem Erhalt des auf das 17. Jahrhundert zurückgehenden Fachwerkschlosses im vogtländischen Treuen.

Die von ihm so betitelten „Zeichenexpeditionen“ führten Lyonel Feininger zwischen 1905 und 1928 drei Mal für einige Tage nach Ribnitz und Damgarten. Die Architektur der beiden damals selbständigen Städte hatte es Feininger so sehr angetan, dass er in seinem Werk auf sie als Motiv auch noch lange nach seiner erzwungenen Rückkehr aus Deutschland in die USA zurückkam.

Galerieleiterin Gabi Raskop: „Lyonel Feiningers Zeichnungen, die bis kurz vor seinem Tod zu Motiven der beiden ehemaligen Grenzstädtchen zwischen Mecklenburg und Pommern entstanden sind, spiegeln entscheidende Entwicklungen in seinem künstlerischem Werk wider. Mittelalterliche Straßenzüge, Kirchen und das Rostocker Tor werden bei ihm zu zentralen Bildthemen. So zeigt die neu erworbene Ribnitzer Zeichnung den für Feiningers Werk wesentlichen Übergang zur Dominanz der Architektur. Und es deutet sich sein prismatisch-kubistischer Stil der kristallinen Formen an.“

Provenienz der Feininger-Zeichnung
Lyonel Feiningers Zeichnung „Mühlenstraße, Ribnitz“ befand sich als Geschenk des Künstlers aus den 1920iger Jahren jahrzehntelang im Eigentum von Alois Schardt, einstiger Leiter der reformpädagogischen Neuen Schule Hellerau in Dresden, Direktor des Städtischen Museums Moritzburg in Halle (Saale) und der Berliner Nationalgalerie bis 1933. Schardt war 1939 in die USA geflüchtet und konnte die Zeichnung als Bestandteil seines Inventars mitnehmen. Achim Moeller, Gründer und Leiter des Lyonel Feininger Project sowie Verfasser des in Kürze erscheinenden Feininger-Werkverzeichnisses, hat die Zeichnung 1986 von Schardts Erben erworben. 2010 ging sie in das Eigentum der New Yorker Galerie Moeller Fine Art über, die den Nachlass von Lyonel und Julia Feininger betreut. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung konnte die Arbeit schließlich von dort erwerben.

Lyonel Feiniger und Alois Schardt – eine lebenslange Freundschaft
Die lebenslange Freundschaft von Lyonel Feininger und Alois Schardt begann im Jahr 1919, als  Feininger aus Berlin von Walter Gropius an das Bauhaus in Weimar berufen wurde und Schardt  in der ägyptischen Abteilung der ehemals Königlichen Kunstsammlungen in Berlin tätig war. Feiningers jüngste Söhne Laurence und Theodore Lux besuchten ab 1924 die von Schardt im Anschluss geleitete Neue Schule in Dresden-Hellerau. Schardt als Direktor des Städtischen Museums Moritzburg in Halle/Saale konnte 1929 den Magistrat der Stadt gewinnen, Feininger mit der berühmten Serie von Ansichten der Saalestadt im Stil des Expressionismus zu beauftragen. Während seiner Aufenthalte in Halle wohnte Feininger bei Schardt. Nachdem Lyonel Feininger 1937 unter dem Druck der Nationalsozialisten in seine Geburtsstadt New York zurückgekehrt war, half er von dort 1939 Schardt und dessen Familie bei deren Emigration in die Vereinigten Staaten. 1944 schrieb Schardt einen Aufsatz für die erste große Ausstellung Feiningers im Museum of Modern Art in New York. Da Schardt mit seiner Familie an die amerikanische Westküste zog und Feininger an der Ostküste blieb, sahen sich beide nicht sehr häufig, blieben aber in engem Briefkontakt. Im Jahr 1952 besuchte Schardt Feininger bei dessen Sommerurlaub in Plymouth (Massachusetts.) Es war das letzte Mal, dass sich beide sahen. Drei Jahre später, am 24. Dezember 1955, starb Alois J. Schardt in Los Alamos (New Mexico) und nur drei Wochen später, am 13. Januar 1956, starb Lyonel Feininger in New York.

Für die Presseberichterstattung stellen wir gern eine druckfähige, VG Bild-Kunst konforme Abbildung der Zeichnung Lyonel Feiningers zur Verfügung. Anfragen bitte an Frau Kerstin Ludwig in der Stiftungsgeschäftsstelle. 

Ansprechpartnerin:
Gabi Raskop
Galerie im Kloster
Tel. 03821 4701
info(at)galerie-ribnitz.de
www.galerie-ribnitz.de