Des Bergmanns lebensnotwendiges Arbeitsgerät leuchtet jetzt im Museum

Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Erzgebirgssparkassse sichern weltweit bedeutende Grubenlampen-Sammlung für das Bergbaumuseum Oelsnitz.

Oelsnitz/Erzgebirge, den 27.02.2018. Der Vorstandsvorsitzende der Erzgebirgssparkasse, Roland Manz, übergab zugleich als Vertreter der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit dem Vorsitzender der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers, Heino Neuber, eine der anerkannt wertvollsten Sammlungen historischen Geleuchts von Friemann & Wolf aus Zwickau als dauerhafte Leihgabe an den Leiter des Bergbaumuseums Oelsnitz/Erzgebirge, Jan Färber. Mehr als 300 Objekte zeichnen die Entwicklung des einst weltgrößten und international renommierten Grubenlampenherstellers von der Erfindung der ersten brauchbaren Sicherheitslampe 1882 bis zur Enteignung 1945 nach. Zu ihnen zählen teils einmalige Stücke.

Für die Bergmänner war es ein lebensnotwendiges Arbeitsgerät. Jetzt leuchtet es im Bergbaumuseum Oelsnitz. Fotograf: Uwe Tölle
Roland Manz, Vorstandsvorsitzender der Erzgebirgssparkasse: ''Ich bin sehr froh, dass die Stiftung und Erzgebirgssparkasse einen sehr maßgeblichen Beitrag liefern konnten, diese bedeutsame Geleuchtsammlung zu bewahren. Fotograf: Uwe Tölle
Die im Oelsnitzer Bergbaumuseum aufgestellte Sammlung enthält bei rund 300 Objekten viele rare, seltenste und Einzel-Stücke, Muster- und Sonderanfertigungen in außergewöhnlich gutem Zustand. Fotograf: Uwe Tölle
Der Steinkohlenbergbau leistete für die Entwicklung Sachsens zur ''Werkstatt Deutschlands'' wesentlichen Anschub. Die helle Flamme der Industrialisierung nährte man mit dem Ertrag der ''Schwarzen Diamanten'', die mit Dampf Motoren von Fabriken und Eisenbahnen antrieb. Die helle Flamme aber, die das unerlässliche Licht für die harte Arbeit spendete, konnte auch zur tödlichen Gefahr werden. Fotograf: Uwe Tölle

Der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers ist im Zusammenwirken mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Erzgebirgssparkasse sowie unter bedeutender Förderung durch die Landesdirektion Sachsen (damit wird diese Maßnahme mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes), die eins energie in sachsen GmbH & Co. KG in Chemnitz, die Stadt Oelsnitz (Erzgeb.)  sowie engagierter Bergkameradinnen und Bergkameraden nach intensiver Vorbereitung die Möglichkeit eröffnet worden, der Geschichte des weltbekannten Geleuchts aus Zwickau die rechte Heimstatt zu geben: im Erwerb einer der anerkannt besten Sammlungen von Geleucht der Firma Friemann & Wolf aus der Frühzeit 1882 bis zu ihrer Enteignung 1945. Die im Oelsnitzer Bergbaumuseum aufgestellte Sammlung enthält bei rund 300 Objekten viele rare, seltenste und Einzel-Stücke, Muster- und Sonderanfertigungen in außergewöhnlich gutem Zustand. Sie beinhaltet spezielle Erkundungs-, Meß- und Gasspürlampen sowie akustische Geräte, die zum Teil nur noch in dem hier vorhandenen Exemplar überliefert sind. Das Spektrum erstreckt sich vom Geleucht für den Bergbau, das mit Ausführungen für die verschiedensten Zweige der Rohstoffgewinnung den Schwerpunkt bildet, über Lampen für Behörden und Industrie bis hin zu Beleuchtung für den zivilen Sektor.

Der Vorstandsvorsitzende der Erzgebirgssparkasse, Roland Manz, betonte: "Ich bin sehr froh, dass die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Erzgebirgssparkasse einen sehr maßgeblichen Beitrag liefern konnte, die historische und bedeutsame Geleuchtsammlung der Zwickauer Firma Friemann & Wolf zu bewahren und ihr im Bergbaumuseum Oelsnitz einen würdigen und dauerhaften Platz zu geben. Damit kann eine große Lücke im Sammlungsbestand des Museums geschlossen werden. Und ich bin stolz, dass damit den Bürgern und Gästen unseres Erzgebirges einmal mehr verdeutlicht werden kann, welche Innovationskraft die heimischen Firmen hatten und haben und damit unsere Region weltweit bekannt machen."

"Bei der Sammlung lag die einmalige Chance vor, das weltweit umkämpfte Spezialgebiet als Glanzpunkt  unseres Museums und nicht zu unterschätzenden Identitätsfaktor der gesamten Region, ja Sachsens, beständig zu sichern und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Vorhaben stellt nicht nur das umfangreichste und anspruchsvollste in der Vereinsgeschichte, sondern unser Bekenntnis als Freunde und Förderer des Bergbaumuseums dar", stellte der Knappschaftsvorsitzende Heino Neuber heraus.

Vor dem Hintergrund der umfassenden Sanierung und Neugestaltung des Museums des Sächsischen Steinkohlenbergbaues freut sich Museumsleiter Jan Färber, eine Thematik von Weltrang zu besetzen: "Wir können ein Kleinod präsentieren, das die Bedeutung der hiesigen Steinkohlenindustrie für die Entwicklung des Bergbaues international eindrucksvoll belegt. Die Überlassung ist nicht nur Anerkennung unserer Arbeit, sondern unterstreicht den Stellenwert unseres Hauses innerhalb der sächsischen Museumslandschaft und untermauert den Anspruch im gesamtdeutschen Kontext. Gerade im Hinblick auf die Sächsische Landesausstellung 2020, in deren Rahmen wir ein Schauplatz sind, ist das eine wesentliche Bereicherung."

Der Steinkohlenbergbau leistete für die Entwicklung Sachsens zur "Werkstatt Deutschlands" wesentlichen Anschub. Die helle Flamme der Industrialisierung nährte man mit dem Ertrag der "Schwarzen Diamanten", die der Dampfkraft als Motor von Fabriken und Eisenbahnen zu Antrieb verhalf. Die helle Flamme aber, die dem Bergmann das unerlässliche Licht für die harte Arbeit spendete, konnte ihm auch zur tödlichen Gefahr werden. Die aus der Kohle entweichenden, explosiblen Gase rückten das offene Geleucht wiederholt in den Brennpunkt. Die seit 1815 eingesetzten Öl-Sicherheitslampen waren keine wirkliche Lösung. Immer wieder erschütterten Schlagwetterexplosionen mit Hunderten Toten die Reviere und trugen unermessliches Leid in die Familien. Zu den schrecklichsten dieser Grubenkatastrophen zählt jene am 1. Dezember 1879 auf dem Brückenberg-Schacht II in Zwickau, die das Leben von 89 Bergleuten auslöschte. Sie schlug jedoch bei dem Zwickauer Mechaniker Carl Wolf den Funken zur Konstruktion einer gefahrlosen Grubenlampe. Diese Benzin-Sicherheitslampe bot als Vorteile helleren Brand im Vergleich zur Öllampe, sicheren Verschluß durch Magnet und innere Zündvorrichtung. Vor allem ermöglichte sie die Bestimmung der Grubengaskonzentration über die Aureole, den bläulichen Schein über der Flamme – eine Weltsensation!

Wolf war es gelungen, durch die Vereinigung von Lichtspender und Warnaggregat dem Bergmann ein lebensnotwendiges Arbeitsgerät an die Hand zu geben. In wenigen Jahren setzte der Siegeszug des Geleuchts ein – zunächst auf der Grundlage des Benzinbrands. 1903 folgte die Einführung der Rundlicht-Mannschaftsleuchte auf Basis eines Blei- und 1907 eines Nickel-Cadmium-Akkumulators. Besonders die zuletzt entwickelten Lampen waren ein Meilenstein im Ringen um die Verhinderung von Explosionen durch schlagende Wetter. Azetylenlampen revolutionierten ab 1904 die Ausleuchtung im schlagwetterfreien Bergbau, später kamen elektrische und Pressluft-Beleuchtung dazu. Vorwärtsstrebender Erfindergeist, beseelt vom Willen um die Verbesserung bestehender Verhältnisse, gepaart mit unternehmerischer Kraft und technischem wie technologischem Können, schufen ein weltumspannend wirkendes Werk. Es beförderte die Entwicklung der Wirtschaft im Zwickau-Chemnitzer Gebiet und das Wohl der Menschheit, was den ausgezeichneten Ruf Sachsens maßgeblich mit prägte und um den Erdball trug.