Der Staatswagen Friedrich Wilhelms II. und seine Restaurierung

Galawagen wird als Teil des Brautinventars der Königin Luise ein Höhepunkt der Ausstellung "Luise. Die Kleider der Königin"

Paretz, 20. 5. 2010. Nachdem die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) den Staatswagen Friedrich Wilhelms II. mit einem Spezialtransport Anfang Mai 2010 aus der SPSG-Restaurierungswerkstatt in Potsdam in die Remise des Schlosses Paretz überführt hat, kann sie den preußischen Galawagen, eines der wenigen erhaltenen und herausragenden Zeugnisse frühklassizistischer Wagenbaukunst in Europa, ab dem 22. 5. 2010 erstmals seit 1945 wieder den Besuchern zeigen. Kronprinzessin Luise wurde 1793 mit dieser Kutsche als Braut eingeholt, um den späteren König Friedrich Wilhelm II. zu heiraten. So wird der Staatswagen auch als Bestandteil des Brautinventars während der im Schloss Paretz präsentierten Ausstellung „Luise. Die Kleider der Königin“ vom 31. Juli bis 31.Oktober 2010 zu sehen sein.

BildStaatswagen Friedrich Wilhelms II.

Vermutlich repräsentierte Preußen mit dem "Straßburger Paradewagen", wie er in den Marstall-Inventaren genannt wird, zur Kaiserkrönung in Frankfurt im Jahr 1790. Als Brautwagen der Kronprinzessin Luise kam er am 22. Dezember 1793 erstmals nachweislich in Berlin zum Einsatz. Auch in den kommenden Jahrhunderten diente er dem Königshaus zur Brauteinholung und für Trauerprozessionen. Höhepunkt war sein Einsatz als Krönungswagen bei den Krönungsfeierlichkeiten Wilhelms I. und seiner Gemahlin Augusta im Jahr 1861. Wie kein anderer verkörperte er den Machtanspruch Wilhelms I. und blieb bis zum Ende der Monarchie der "Galawagen Nr. 1" des Berliner Marstalles. Seit 1902, zuvor ein letztes Mal instand gesetzt, konnte er in der neu eingerichteten Galawagenhalle im Marstall des Berliner Schlosses besichtigt werden. Durch Fürsprache des preußischen Finanzministeriums entging er den nach Auflösung des Marstalles groß angelegten Verkaufsauktionen und wurde seit 1927 im Hohenzollernmuseum im Schloss Monbijou in Berlin gezeigt. Während des Krieges im Marstall des Babelsberger Schlosses ausgelagert, wurde er erst in den Nachkriegsmonaten 1945 von Soldaten der sowjetischen Armee schwer beschädigt.

Mit der Rekonstruktion von kriegsbedingt verloren gegangenem Schnitzwerk auf dem Kutschkasten wurden dem Galawagen wichtige, bestimmende Attribute für seine Präsentation als einstmals repräsentativer Staatswagen zurückgegeben. Dazu mussten das aufwendige Dekor anhand historischer Aufnahmen in Ton nachmodelliert, in Gips gegossen und schließlich in Nussbaum geschnitzt werden. Die gemeinsame Förderung durch Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam (MBS) ermöglichte diese Arbeiten.

Arbeiten der verschiedensten Gewerke der Restauratoren für Holz, Fassung, Metall, Textilien und Leder sowie kunsthistorische, geschichtliche und denkmalpflegerische Aspekte fließen bei diesem Projekt zusammen.

Ziel ist es zum einen, den repräsentativen Charakter des Wagens als Staatsinsignie und Denkmal der Wagenbaukunst wieder erstehen zu lassen. Das schließt Rekonstruktionen zur visuellen Verständlichkeit und Ablesbarkeit von Funktion und Dekor ein. Zum anderen gilt es, ein kriegsversehrtes Geschichtsdenkmal zu bewahren, an dem die Spuren der Geschichte auch ablesbar bleiben.

„Wir freuen uns, dass die Ostdeutsche Sparkassenstiftung die Wiederherstellung und Bewahrung dieses Kunstwerkes von wahrhaft europäischem Rang begleiten konnte.“ sagte Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, bei der Präsentation. „Es ist damit zugleich gelungen, ein außergewöhnliches Dokument preußisch-deutscher Geschichte für eine dauerhafte Präsentation zurück zu gewinnen.“

Johannes Werner, Vorstandsvorsitzender der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, erklärte: „Wir haben die Restaurierung des Staatswagens Friedrich Wilhelms II. sehr gern unterstützt. Sparkassen sind bekanntermaßen ihrer Heimatregion eng verbunden, und für uns als Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam ist daher die preußische Geschichte von besonderem Interesse. So heißt zum Beispiel unser Kundenmagazin seit Jahren schon 'sans soucis'. Der Staatswagen ist ungefähr so alt wie die Sparkassenidee in Deutschland. Dass wir im Laufe der Jahre nicht ebenfalls ein Museumsstück geworden sind, dafür haben wir hart gearbeitet und werden auch zukünftig unsere Aufgaben für die Region wahrnehmen".

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