Mittelalterliche Westchorfenster werden nachhaltig konserviert

Förderung durch Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Burgenlandkreis und weitere Partner

Naumburg, 10.11.2016. Der Naumburger Dom St. Peter und Paul - Herzstück des laufenden Welterbeantrages der Region - zählt zu den eindrucksvollsten Sakralgebäuden in Deutschland und besitzt durch seine herausragende Ausstattung weltweite Bedeutung. In besonderer Weise trifft dies neben den Skulpturen und Reliefs des Naumburger Meisters auf die Ausstattung des Ost- und des Westchores an mittelalterlicher Glasmalerei zu.

Fördermittelübergabe im Westchor v.l. Staatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger, Friedrich-Wilhelm von Rauch, Dr. Monika Bachtler, Dr. Holger Kunde, Mario Kerner (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Burgenlandkreis) und Dr. Sebastian Giesen © Vereinigte Domstifter, H. Vogel
Dombaumeisterin Frau Hartkopf und Dr. Maria Deiters (CVMA) erläutern anhand einer ausgebauten Scheibe Schäden und Ansätze des Restaurierungsprojektes © Vereinigte Domstifter, H. Vogel
Stiftsdirektor Dr. Holger Kunde erläutert Staatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger das bildnerische Programm der Westchorfenster © Vereinigte Domstifter, H. Vogel

Die Vereinigten Domstifter wollen den Glasmalereibestand des Naumburger Doms in seiner Gesamtheit konservieren und dauerhaft für die Nachwelt erhalten. Gravierende Schäden im historischen Glasmalereibestand erfordern ein mehrjähriges Gesamtkonservierungsvorhaben.

Möglich wird der Beginn des Vorhabens durch das herausragende Engagement von vier Stiftungen: die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Burgenlandkreis, die Rudolf-August Oetker-Stiftung,  die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG sowie die Ernst von Siemens Kunststiftung stellen Mittel zur Verfügung, dank derer zunächst die drei hochmittelalterlichen Glasfenster im Westchor des Doms konserviert und restauriert werden.

Der Dom und sein Schatz an Glaskunst
Wie kaum an einem anderen Ort haben sich im Naumburger Dom Meisterwerke der Glaskunst aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert erhalten. Zusammen mit den Ergänzungen des 19. Jahrhunderts bildet dieser Bestand ein einmaliges Ensemble.

Leider ist dieser Bestand in seiner Substanz gefährdet. Infolge kriegsbedingter Auslagerungen sind Schadensprozesse eingetreten, die trotz der letzten Restaurierungsmaßnahmen in den 1960-iger Jahren nicht zum Stoppen gebracht werden konnten. Darüber hinaus erwiesen sich die damals zur Konservierung eingesetzten Materialien als Gefahrenpotential. Mit den aktuell startenden Arbeiten soll weiterem Schaden entgegengewirkt werden. Die Vereinigten Domstifter wirken dabei eng mit zahlreichen wissenschaftlichen Partnern wie dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, dem Corpus Vitrearum Medii Aevi an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Hochschule für Bildende Künste Dresden, dem Institut für Diagnostik und Konservierung zusammen. Unter der Gesamtleitung von Dombaumeisterin Frau Regine Hartkopf kann das Projekt jetzt seinen Anfang im Westchor finden.

"Nachdem die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Burgenlandkreis 2011 die Landesausstellung zum Naumburger Meister und die Einrichtung der KinderDombauHütte intensiv unterstützt hat, freuen wir uns sehr – im Jahr des 20-jährigen Bestehens unserer Stiftung – nunmehr eine weitere wichtige Etappe im Bereich des Naumburger Doms begleiten zu können. Uns motiviert sehr, wie stark sich die Menschen in Mitteldeutschland mit ihrem kulturellen Erbe identifizieren", so Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

"Da der Naumburger Dom als eines der bedeutendsten Beispiele sakraler Baukunst des Mittelalters gilt, war dies Anlass für die Rudolf-August Oetker-Stiftung, sich 2011 bei der Landesausstellung Sachsen-Anhalts zu engagieren, die sich dem berühmten Werk des Naumburger Meisters widmete, in deren Mittelpunkt die zwölf lebensgroßen Stifterfiguren des Westchores standen. Um dieses Bauwerk auch für die Zukunft zu erhalten, war es der Stiftung ein großes Anliegen, nun auch die Restaurierung des wertvollen Bestands an mittelalterlicher Glasmalerei im Westchor zu fördern. Wir freuen uns umso mehr, dass dies auch mit Hilfe befreundeter Stiftungen gelingt", sagte Dr. Monika Bachtler von der Rudolf-August Oetker-Stiftung.

Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, erklärt die Unterstützung mit folgenden Worten: "Wir freuen uns sehr, die Vereinigten Domstifter nach zwei Förderungen für den Dom zu Merseburg und der Hilfe bei der Grundsanierung von St. Michaelis in Zeitz nun auch beim Herzstück, dem berühmten Naumburger Dom, unterstützen zu können - und dies im Verbund mit sehr guten Partnern. Selten genug sind originale Glasfenster in gotischen Kirchen in Deutschland erhalten. Dabei gehören sie zu den wichtigsten, kostbarsten und schönsten Gestaltungselementen mittelalterlicher Architektur. Das farbige Licht der Fenster taucht den Kirchenraum in eine besonders spirituelle Atmosphäre – für den Menschen des Mittelalters ein sinnfälliges Abbild für den Reichtum der göttlichen Schöpfung."

"Die einzigartigen Naumburger Chorfenster sind weltweit ein Begriff. Die Ernst von Siemens Kunststiftung kann sich deshalb mit der großzügigen Spende eines Mäzens an dem aktuellen Restaurierungsprojekt beteiligen", freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

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