Neues Palais Potsdam

Unteres Fürstenquartier im neuen Glanz

Im Rahmen der partnerschaftlichen Förderung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse erfolgte auch die Wiederherstellung einer Folge von vier prachtvollen Kabinetten und Zimmern mit exquisiter Rokoko-Ausstattung im Neuen Palais Potsdam. Diese Gästeräume Friedrichs des Großen konnten im Januar 2012 der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Die geförderten Restaurierungsarbeiten im Neuen Palais wurden rechtzeitig zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen abgeschlossen. Die restaurierten Räume wurden als Teil der Ausstellung „FRIEDERISIKO – Friedrich der Große“  erstmals im Aptil 2012 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das Neue Palais ist der größte Schlossbau in der Region. Mit seiner erhaltenen originalen Substanz und Ausstattung zählt es zu den kultur- und zivilisationsgeschichtlich wertvollsten Schlossanlagen der Welt. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges von 1763 bis 1769 errichtet, steht das Schloss für den politisch erfolgreichen Preußenkönig, der mit dieser „Fanfaronnade“ Preußens Rolle als Großmacht verdeutlichte. Konzipiert war das Neue Palais als Sommerresidenz, die Friedrich mit Appartements für Verwandte und Gäste sowie einer Wohnung für sich selbst ausstattete.
Die Raumfolge des restaurierten Unteren Fürstenquartiers besteht aus dem Tressenzimmer, dem Konzertzimmer, dem Ovalen Kabinett und einem Vorzimmer.

Das Untere Fürstenquartier im Neuen Palais in Potsdam

Neues Palais in Potsdam © SPSG, Foto Michael Lüder SPSG und Förderer im Tressenzimmer des Unteren Fürstenquartiers Das Ovale Kabinett während der Restaurierung.... © SPSG ... und nach der Restaurierung wieder in ganzer Pracht. © SPSG, Foto Leo Seidel Im Konzertzimmer entfaltet sich wieder Konzertatmosphäre. © SPSG, Foto Leo Seidel Kostbare Seidentapeten mit aufgenähten Goldtressen bietet das Tressenzimmer © SPSG, Foto Leo Seidel

Tressenzimmer erhielten ihren Namen von den Seidentapeten mit aufgenähten Goldtressen und Crepinen. Auch in anderen Schlössern Friedrichs II. gab es in dieser Art gestaltete Räume. Das zum Unteren Fürstenquartier gehörende Tressenzimmer ist das einzige original erhaltene in den preußischen Schlössern. Originale Textilien aus dem 18. Jahrhundert sind etwas ganz besonderes. Im Neuen Palais hat sich außer dieser Seidentapete nur noch eine weitere originale Wandbespannung im Lesekabinett Friedrich II. bis heute erhalten, alle anderen Wandbespannungen sind Kopien aus jüngerer Zeit.
Der Seidendamast ist mit den Buchstaben „FBF A BERLIN“ signiert und damit eindeutig Berliner Herkunft und der hugenottischen Seidenmanufaktur  Baudouin zuzuschreiben. Sein Muster gilt als eigenständiger Berliner Entwurf. Der Erhaltungszustand der Seidenbespannung konnte in Anbetracht ihres Alters von fast 250 Jahren als erstaunlich gut bezeichnet werden. Dennoch war das Gewebe nunmehr dünn und fragil, es hat Risse und an Schadstellen bereits aufgesetzte neue Damaststücke. Ursache der Schädigung sind vor allem die Lichteinwirkung aber auch die mechanische Beanspruchung in Greifhöhe der Besucher und der starke Holzwurmbefall der dahinterliegenden Holzbretter.
Die Tressen in verschiedenen Breiten und Mustern bestehen aus vergoldetem Silber und Seide. Die Crepinen (Posamentierarbeiten) wurden aus unterschiedlichen Materialien, wie  vergoldetem Silber, Eisen, Messing, Kupfer, Zinn, Seide, Pergament, Pappe, Baumwolle, und Goldbronze hergestellt. Die Einzelelemente stellen Blüten und Blätter, Herzen, Schleifen, Stengel mit Knospen, Knöpfe und Lahnquadrate dar. Die Unterlegungen bestehen aus Pappe, Pergament und die Elemente, die mit roter Folie auf der Schauseite bedeckt sind, sind mit einem Gewebe (Kattun) unterlegt. Die Umwicklungen des Pergaments, der Stengel und weiterer Wickelfäden besteht aus Seide.

Das Konzertzimmer musste aufgrund eines Schwammschadens bereits 1983 gesperrt werden. 1986 begannen hier die aufwändigen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen, die ab 1989 aufgrund anderer Prioritäten zurückgefahren wurden. Die Ausstattung im Konzertzimmer besteht aus fünf Wandgemälden, einem Konsoltisch und zwei nicht originalen Sitzmöbeln.

Das Ovale Kabinett ist ein Lackkabinett mit Malereien von Sebastian Chevalier, die eine komplizierte Restaurierung erforderten. Die unter Anstrichen, Lackierungen und Retuschen liegenden originalen Farbschichten bedurften dringend der Festigung. Die Befundungen von 1987 hatten die Freilegung der Originalfassung zur Folge. Durch neue Untersuchungsmethoden  wurde jedoch zu Beginn der 1990er Jahre entdeckt, dass der mitentfernte Firniss ein alkohollöslicher Öl-Harz-Lack ist, wie er auch in Friedrichs Zeiten schon hergestellt werden konnte.

Eine technische Besonderheit der Fassung dieses Vorzimmers, eines kleinen Nebenraumes, war seine Ausmalung mit der Mordentvergoldung. Die jetzige, weniger plastische Ausmalung ist der dritten Fassung zuzuordnen, während die Fondflächen erst 1955 nach einem Kellerbrand erneuert wurden. Zum Schutz des originalen Restbestandes unter den Fassungen soll lediglich die Sichtfassung konserviert werden.

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